Leichte Sprache Gebärdensprache English Türkçe Русский український العربية Francais فارسی ትግርኛ other languages

Zonta Club und Frauen-Notruf setzen Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Frauennotruf Wetterau

Zum Orange Day fand im Lumos-Kino eine Podiumsdiskussion statt, anschließend wurde der Spielfilm „Die Berufung“ gezeigt.

Der Zonta Club Nidda-Oberhessen hat sich auch in diesem Jahr unter dem Motto „Zonta says NO! zu Gewalt gegen Frauen“ am Orange Day beteiligt – dem internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Im Lumos-Kino fand in Kooperation mit dem Frauen-Notruf Wetterau eine Podiumsdiskussion statt, anschließend wurde der Spielfilm „Die Berufung“ gezeigt.

Susanne Ickemann vom Zonta Club freute sich über die große Resonanz. Zahlreiche Menschen kamen ins Kino, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen – leider aus aktuellem Grund. Allein 2024 wurden in Deutschland über 100 Frauen von ihren Partnern getötet.

Der Zonta Club unterstützt den Frauen-Notruf seit vielen Jahren, ebenso die Stadt Nidda. Gleichstellungsbeauftragte Karin Knölcke sorgte für Werbung und Organisation. Auch das Lumos-Kino engagierte sich bereits 2024 am Orange Day mit einem Film. Ickemann dankte allen Kooperationspartnern, Stadträtin Sharon Rieck schloss sich an.

Prominente Gesprächspartnerin

Rieck hatte eine prominente Gesprächspartnerin für die Podiumsdiskussion gewonnen: Dr. Anna Lührmann (Bündnis 90/Die Grünen), Politikwissenschaftlerin, Bundestagsmitglied und Vorsitzende der hessischen Grünen. Sie ist Nidda verbunden, weil ihre Großeltern dort das Modehaus Erk führten. Doch ihr Hauptmotiv war ein anderes: Lührmann setzt sich für Menschenrechte und gegen jede Form von Gewalt an Frauen ein. Sie betonte: „Frauen brauchen die Hälfte der Macht – politisch und gesellschaftlich.“ Als Konsequenz forderte sie mehr strukturelle Unterstützung für Institutionen, die Frauen Schutz bieten, ihnen beim Ausstieg aus einem gewalttätigen Umfeld helfen und ihnen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Anne Hantschel vom Frauen-Notruf stellte das Präventionsprojekt „Pepper“ vor, das sich an von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche richtet und eine wichtige Lücke schließen soll.

Der Film „Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit“ war Lührmanns Wunsch. Er erzählt die Geschichte der US-Juristin Ruth Bader Ginsburg (1933 – 2020), die mit Mut und Klugheit für Geschlechtergerechtigkeit kämpfte und im von Männern dominierten System der amerikanischen Justiz bis zur Richterin am höchsten US-Gericht, dem Supreme Court, aufstieg.

Die Zuschauer erlebten Szenen aus den 1950er Jahren: neun Studentinnen in braven Kostümchen unter vielen Männern an der Harvard-Universität. Bei einem Empfang fragt der Dekan Ginsburg, warum sie einem Mann den Platz an einer Elite-Universität wegnimmt. Wo sie später gewiss mit Temperament und Schärfe geantwortet hätte, antwortet sie ausweichend – sie wolle ihren Mann beim Studium und im Beruf unterstützen. Eine Rolle, die sie tatsächlich übernehmen muss, als er an Hodenkrebs erkrankt.

Die Überlebenschancen scheinen gering. Ginsburg besucht zusätzlich seine Uni-Veranstaltungen, schreibt aus seinen Notizen die Studienarbeiten, um seine Berufschancen zu erhalten. Das Paar hat eine kleine Tochter. Die Szene, in der Ginsburg ihr Baby wiegt und gleichzeitig einen Studientext liest, löste im Kino spürbare Sympathie aus.

Ihr Mann wird wieder gesund, schafft den Studienabschluss, bekommt einen interessanten Job. Ginsburg hingegen, obwohl Jahrgangsbeste, bleibt zunächst arbeitslos. Renommierte Kanzleien stellen Frauen nur als Bürokräfte ein. Trotz aller Hürden bleibt sie ehrgeizig. Schließlich bekommt sie eine Stelle als Dozentin und später als Professorin an einer Universität, sie spezialisiert sich auf „Geschlechtergerechtigkeit und das Gesetz“ und wird zur Pionierin für Gleichstellung.

Gegenseitige Solidarität

Eine Zuschauerin kommentierte nach dem Film: „Hat die Frau ein Glück mit ihrem Mann gehabt!“ – ein treffender Hinweis auf die Partnerschaft in gegenseitiger Solidarität.

Eine spannende Verhandlung vor einem Berufungsgericht kommt ins Bild. Ginsburg vertritt einen Mann, der seine gebrechliche Mutter pflegt und die Kosten für eine Teilzeit-Hilfskraft von der Steuer absetzen will. Frauen würde man das zugestehen, Pflege sei ihre „natürliche“ Aufgabe. Die Gegenseite befürchtet einen „Flächenbrand“ an Gesetzesänderungen: Frauen erhielten dann Zugang zu allen Berufen und Ämtern – und genau so kommt es. Das Anliegen des Mannes ist rechtmäßig, der Flächenbrand tritt ein: Gesetze werden im Sinn der Geschlechtergerechtigkeit geändert – dank Ruth Bader Ginsburg.

Kreis-Anzeiger, 22.11.2025