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„Schämen müssen sich Täter“ - Wetteraukreis macht Hilfsangebote sichtbarer

Frauennotruf Wetterau

Seit April fallen sie an mehreren Wetterauer Bahnhöfen ins Auge: großformatige rosafarbene Plakate mit Botschaften wie „Über deinen Körper bestimmst nur du!“ oder „Schämen müssen sich Täter. Nicht du!“.

Hinter der Kampagne steht eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Einrichtungen und Institutionen im Wetteraukreis. Ihr Ziel ist, Menschen über Hilfsangebote nach sexualisierter Gewalt zu informieren und Betroffene zu ermutigen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

„Wir haben uns bewusst für Bahnhöfe entschieden, weil dort viele Menschen unterwegs sind“, erklärt Simone Mertel vom Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Wetteraukreises. „Sexualisierte Gewalt kann jede und jeden treffen. Oft vertrauen sich Betroffene zunächst Menschen im eigenen Umfeld an. Deshalb ist es wichtig, dass möglichst viele die bestehenden Hilfsangebote kennen.“

Im Mittelpunkt der Kampagne steht die Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung. Das Angebot ermöglicht eine vertrauliche medizinische Versorgung sowie auf Wunsch eine gerichtsfeste Spurensicherung, auch ohne sofortige Anzeige bei der Polizei. Ergänzt wird das Angebot durch die psychosoziale Beratung des Frauen-Notrufs Wetterau e.V. Dort erlebten Mitarbeitende immer wieder, wie wichtig niedrigschwellige und vertrauliche Unterstützung unmittelbar nach einer Tat sei, führt Anne Hantschel vom Frauen-Notruf Wetterau e.V. aus.

„Viele Betroffene wissen nicht, dass sie Hilfe auch unabhängig von strafrechtlichen Schritten bekommen können“, erklärt Susanne Müller aus der Unternehmenskommunikation des Gesundheitszentrums Wetterau, zu dem auch das Hochwaldkrankenhaus zählt. „Genau darüber möchten wir informieren und Hemmschwellen abbauen.“

Die Plakataktion läuft teilweise noch bis Anfang Juni. Danach wandert die Kampagne weiter in Wetterauer Buchhandlungen und Büchereien.
Hintergrund dieser Ortswahl ist die große Beliebtheit sogenannter New-Adult-Romane, besonders bei jungen Leserinnen. In diesen Büchern geht es um Themen des Erwachsenwerdens. Beziehungen spielen dabei eine zentrale Rolle, wobei auch Grenzüberschreitungen und sexualisierte Gewalt thematisiert werden.

„Mit unserer Kampagne ‚Consent is sexy. Deine Story. Deine Grenzen‘ möchten wir deutlich machen, dass gegenseitige Zustimmung die Grundlage jeder realen Beziehung sein muss“, erklärt Judith Pollesch, Opferschutzkoordinatorin der Polizeidirektion Wetterau. „Zwischen Fiktion und Realität gibt es klare Grenzen.“

Auch die Resonanz vor Ort sei positiv, berichtet Doris List, Frauenbeauftragte der Stadt Bad Nauheim: „Wir freuen uns sehr über die Unterstützung der ansässigen Buchhandlungen und Büchereien. Ab Juni können Interessierte kostenlose Postkarten und Lesezeichen mitnehmen.“

Finanziert werden die Kampagnen vom Land Hessen und dem Wetteraukreis. Landrat Jan Weckler betont: „Es ist wichtig, dass Betroffene schnell erfahren, wo sie Hilfe bekommen können. Mit unserer finanziellen Unterstützung machen wir bestehende Hilfsangebote sichtbarer und leichter zugänglich.“

Weitere Informationen zur Medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung gibt es unter:
www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de

Pressemitteilung vom Frauen-Notruf Wetterau e.V., 28.05.2026