Frauen-Notruf Wetterau veröffentlicht Jahresbericht 2018

2018 war es 30 Jahre her, dass der Frauen-Notruf Wetterau gegründet wurde. 248 Frauen nahmen seine Beratung in Anspruch.
NIDDA – 2018 war es 30 Jahre her, dass der Frauen-Notruf Wetterau gegründet wurde. 1988 hatten sich engagierte Frauen im Friedberger Frauenzentrum entschlossen, eine Fachberatungsstelle für Mädchen und Frauen zu gründen, die sexualisierte, körperliche und/oder psychische Gewalt erlebt haben. Gewalt gegen Frauen musste ernst genommen werden. Auch in der ländlichen Gegend des Wetterauer Ostkreises, in dem zuvor keine frauenspezifischen Angebote vorhanden waren. So wurde der Frauen-Notruf trotz einiger politischer Hürden und entgegen aller skeptischer Aussagen wie “Nur in großen Städten gibt es ein Gewaltproblem” mit einer Ansiedlung im Ostkreis der Wetterau eröffnet.
Ganz im Zeichen der erfolgreichen Gründung vor 30 Jahren steht der aktuelle Jahresbericht. Die Mitarbeiterinnen hatten 2018 einiges zu tun. So wurde eine Jubiläumsfeier im September organisiert, zu der zahlreiche Gäste aus Politik, anderen Beratungsstellen, der Polizei und Justiz geladen waren. Zudem wurde neben der Jubiläumsfeier eine Kunstausstellung gezeigt.

Die Ausstellung “Kunst zu Gewalt gegen Frauen” zeigte elf Künstler, die sich auf kreative Weise gegen die Tabuisierung von Gewalt gegen Frauen wendeten. Zahlreiche Skulpturen, Bilder und Texte wurden von Mitte August bis Mitte November in Büdingen und Friedberg einer breiten Öffentlichkeit zur Schau gestellt.
Die persönliche Wahrnehmung von Gewalt durch die Künstler stand dabei im Fokus und verhalf zu einer öffentlichen Sensibilisierung von gesellschaftlichen Missständen. Die Kunstobjekte drückten Hoffnung, Wut, Verletzlichkeit und Betroffenheit aus. Aber vor allem zeigten sie, wie wichtig ein “Hinschauen” ist und wie schade, aber notwendig die Existenz einer Frauenberatungsstelle gesamtgesellschaftlich bleibt. Denn noch immer erlebt jede zweite bis dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben eine Form von Gewalt. Mehrfachdiskriminierte Frauen haben meist noch häufiger Gewalt erlebt.
So blieb auch 2018 die persönliche Beratungsarbeit der Tätigkeitsschwerpunkt des Frauen-Notrufs. 248 Frauen und Mädchen sowie einige wenige Männer nahmen die Hilfe und Unterstützung des Frauen-Notrufs in Anspruch. Um die gesamtgesellschaftliche Stellung von Frauen und Mädchen zu verbessern, wurde zudem Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit erledigt. Das Netzwerk “Suse – sicher und selbstbestimmt. Frauen und Mädchen mit Behinderung stärken” eröffnete eine eigene Arbeitsgruppe in Leichter Sprache, um Expertinnen in eigener Sache in den Prozess des Netzwerkes einzubinden, erarbeitete Kriterien für einen barrierefreien Bahnhof in Friedberg und plant eine inklusive Fachtagung für 2020. Auch das Angebot “Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung”, für das der Frauen-Notruf als Koordinierungsstelle fungiert, blieb eine zentrale Aufgabe im Jahr 2018 und wird es auch weiterhin bleiben.

Was sonst noch alles auf der Agenda des Frauen-Notrufs stand und wie die finanzielle Situation aussah, lässt sich auf der Homepage www.frauen-notruf-wetterau.de nachlesen. Der Jahresbericht kann online heruntergeladen oder auf Anfrage in einer Printversion ausgehändigt werden.
Die Beratungsstelle des Frauen-Notrufs Wetterau ist in Nidda, Hinter dem Brauhaus 9, und ist unter der Woche von 9 bis 13 Uhr sowie mittwochs zusätzlich von 15 bis 19 Uhr unter der Rufnummer 06043/4471 oder per E-Mail an info@frauennotruf-wetterau.de erreichbar.

<Kreisanzeiger, 22.07.2019>